Wie bereits 2024/2025 hatten die Klimateams der Gemeinden Befort, Heffingen und Waldbillig ihre Bürger*innen sowie Vertreter*innen von Vereinen und Betrieben zum mittlerweile zweiten gemeinsamen Klimaforum 2025/2026 im Rahmen des Klimapakts 2.0 eingeladen. Zu diesem Zweck organisierten die drei Gemeinden erneut eine Informations- und Partizipationsveranstaltung, die am 3. Februar im „Kärespeicher“ der Heringermillen stattfand und mit knapp 50 Teilnehmenden sehr gut besucht war.

Zentrales Element der Veranstaltung war ein praxisorientierter Vortrag, der vom Klima-Agence-Experten Martin Schmitt gehalten wurde. Die Themen waren dieses Jahr sehr breit gefächert, beginnend mit der regenerativen Wärmeerzeugung in Privathaushalten und Residenzen – insbesondere mittels Wärmepumpen – bis hin zu einfachen energetischen Sanierungsmaßnahmen, die man zum Teil auch selbst machen kann. Das Selbstproduzieren von PV-Strom, der – sofern er nicht komplett selbst verbraucht wird – mit anderen Bürger*innen geteilt werden kann, stand genauso auf der Tagesordnung wie das neue nationale Klimabonus-Beihilfesystem des Luxemburger Staates. Darüber hinaus war eine aktive Bürgerbeteiligung gefragt, zum einen während des Hauptvortrags via einer Online-Beteiligung zu verschiedenen Fragestellungen, zum anderen zum Abschluss in einer ausführlichen Diskussionsrunde.
Nach den Begrüßungsworten des Waldbilliger Gemeindeingenieurs Filipe Soares erläuterten die jeweiligen Klimapakt-Berater der drei teilnehmenden Gemeinden (Thomas Schlicher für Befort und Heffingen, Bernhard Jäckel für Waldbillig) den aktuellen Stand des lokalen Klimapakts (u.a. Energiebuchhaltung, gemeindescharfe Indikatoren, erneuerbare Energiepotenziale, Aktivitäten der jüngeren Vergangenheit, Aktivitätenplan für die folgenden Monate…).

Wärmepumpen
In seiner Präsentation zeigte Martin Schmitt auf anschauliche Weise, dass heutzutage eine Wärmepumpe in fast allen Gebäuden – auch Bestandsbauten – einsetzbar ist. Auch wenn die Anschaffungskosten hoch sind – was durch die hohe staatliche Förderung aber im Vergleich zum Kauf fossiler Feuerungsanlagen die Preisdifferenz fast wettmacht – ist die Wärmepumpe im Betrieb effektiver und günstiger. Dies liegt insbesondere laut Schmitt im Wirkungsrad der Wärmepumpe begründet, die in der Lage ist, aus 1 kWh Strom bis zu 3-5 kWh Wärme zu produzieren (während fossile Systeme aus 1 kWh Primärenergie sogar weniger Wärme erzeugen). Zudem wird durch die in den nächsten Jahren steigenden Öl- und Gaspreise infolge der europäischen CO₂-Bepreisung die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen weiter steigen. Als bevorzugte Variante empfiehlt der Experte die Luft-Wasser-Wärmepumpe, da Sole-Wasser-Wärmepumpen (Geothermie) zwar gut funktionieren, aber aufgrund der höheren Anschaffungs- und Bohrkosten meist deutlich teurer sind.
Dämmung
Die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen – aber auch von allen anderen Heizungsarten – steigt natürlich, je besser das Haus isoliert und gedämmt ist. Denn dann bleibt die Wärme dort, wo sie gebraucht wird – nämlich in den Räumlichkeiten, und entweicht nicht durch schlecht gedämmte Fassaden, Fenster und Dächer unnötig nach draußen. Hier zeigte Schmitt einfache Beispiele auf, wie man mit wenig Invest und – wenn gewünscht – teils in Eigenleistung zum Beispiel die oberste Geschoßdecke (durch das Verlegen von Dämmplatten auf dem Spitzboden/Speicher) dämmen kann.

Photovoltaik und Stromteilen
Im Bereich Photovoltaik waren sehr viele „Profis“ im Raum, da die Online-Live-Umfrage einen hohen Anteil an PV-Anlagen-Besitzer*innen ergab. Daher konnte direkt ins Detail gegangen werden – etwa hinsichtlich Eigenverbrauch, Erhöhung des Eigenverbrauchs durch Batteriespeicher und schließlich der wirtschaftlichen Nutzung des verbleibenden Überschussstroms durch „Stromteilen“.
Hier können in verschiedenen Modellvarianten mehrere Verbraucher selbst produzierten PV-Strom untereinander teilen. Dazu ist keine zusätzliche „Hardware“ nötig (keine zusätzlichen Kabel, Zähler oder Ähnliches), da dies mithilfe der mittlerweile intelligenten Stromzähler rein bilanziell erfolgt.
In der kleinsten Variante (maximal drei Haushalte/Stromzähler in einem Radius von 100 Metern im Niederspannungsnetz) kann sogar ohne externe Unterstützung über einfache Verträge zwischen den maximal drei Teilnehmenden geregelt werden, wie der Strom geteilt wird. Hat beispielsweise einer der drei Haushalte eine PV-Anlage, so könnte er zuerst selbst den Strom verbrauchen, den er benötigt. Den Überschussstrom verkauft er dann den beiden Nachbarn, die in der „Strom-Gemeinschaft“ mitmachen, zu vorher vertraglich fixierten Regeln, was für alle Parteien einen finanziellen Vorteil bringt: Der Besitzer der PV-Anlage verlangt von seinen Nachbarn einen höheren Strompreis als den, den er vom Netzbetreiber bekommen würde, wenn er seinen Überschussstrom einspeisen würde (aktuell ca. 4-6 ct/kWh), aber deutlich weniger, als wenn der Nachbar den Strom für über 20 ct/kWh beim Stromversorger einkaufen würde.
Es gibt auch (räumlich betrachtet) größere „Strom-Gemeinschafts-Varianten“, bei denen mehrere Haushalte in einem größeren Umkreis lokal oder sogar landesweit selbst produzierten Strom teilen können, wofür aber eine Gesellschaft/Asbl gegründet oder sogar ein Dienstleister engagiert werden muss. Zudem fallen bei den größeren Varianten zusätzliche Kosten (u.a. Netznutzungsgebühren) an.

Förderungen
Abschließend ging Martin Schmitt auch auf nationale Fördermöglichkeiten ein, da hier der staatliche Rahmen zum 1. Januar dieses Jahres geändert wurde. Er fokussierte dabei auf das Thema PV, da zum einen die Höhe der Zuschüsse insbesondere für den privaten Bereich modifiziert wurden, zum anderen das für den privaten Endkunden sehr interessante Instrument der Vorfinanzierung geschaffen wurde. Dabei muss der Private bei Anlagen < 30 kW nicht wie bisher den vollen Preis vorfinanzieren, um später die Beihilfen rückausbezahlt zu bekommen, sondern der Installateur beantragt die Beihilfen selbst und erhält sie direkt vom Staat, so dass der Private nur noch seinen Eigenanteil an den Installateur zahlen muss.
Da der Austausch und die Interaktion mit den Teilnehmenden nicht zu kurz kommen sollten, wurde in seinem ca. eineinhalbstündigen Vortrag Raum für Zwischenfragen und Diskussionen gegeben – wie auch hinterher „beim Patt“ individuell diskutiert, erklärt, Erfahrungen ausgetauscht und Tipps gegeben wurde.
Insgesamt also – und dies nicht zuletzt durch den professionellen und kurzweiligen Vortrag des Experten der Klima-Agence – ein rundum gelungener Veranstaltungszyklus, der 2026/2027 unbedingt fortgesetzt werden soll – bestenfalls wiederum gemeinsam mit Befort, Heffingen und Waldbillig.
Text: Thomas Schlicher & Filipe Soares
Fotos: Thomas Schlicher & Filipe Soares & Bernhard Jäckel